Koreana SUMMER 2006 Vol.1 No.2
Interview
Kim Duk Soo
Traditionelle koreanische Schlagzeugmusik begeistert die Welt
Hyun Kyung-chae
Musikkritiker, Mitglied des Arts Council Korea
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In koreanischen alten Märchen kommen Kobolde, Dokkaebi, vor, die durch Klopfen mit ihren Keulen eine große Menge von Schätzen herbeizaubern. Es ist hier nicht von Märchen die Rede, aber Kim Duk Soo (geb. 1952), Meister der Perkussionsmusik, bezeichnet sich selbst als einen solchen Dokkaebi. Er ist durch viele Länder und viele Orte gereist, hat seine Musik vorgeführt und international großen Anklang gefunden.
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Traditionelles koreanisches Rhythmusgefühl
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Wie ein Dokkaebi, der mit seiner Keule klopft, geht Meister Kim überall hin und begeistert die Menschen mit seiner Musik. Er wandte sich mit dem temperamentvollen Samulnori an das Publikum und zusammen mit Samulnori verbreitete sich auch die koreanische Lebensfreude über die ganze Welt aus. Buk (Trommel), Janggo (sanduhrförmige Trommel), Kkwaenggwari (kleiner Bronzegong) und Jing (großer Bronzegong): die Rhythmen dieser vier einfachen Instrumente übertragen sich automatisch auf den Körper der Zuhörer und sie bewegen sich im Takt mit. Wer ist dieser Mann eigentlich? Von ausländischen Medien wird Kim als Mr. Janggo oder koreanischer Geist, der auf die Welt einschlägt bezeichnet. “Ich schlage auf das Janggo wie ein 100-Meter-Läufer, der seinen Rekord um 0,001 Sekunden pro Tag verbessern will”, sagt Kim. Er hat bereits in etwa 60 Ländern insgesamt mehr als 4.000 Konzerte gegeben, die das Weltpublikum mit Korea bekannt machten. Kim wurde mit Samulnori, dem Lied des Donners, des Regens, der Wolken und des Windes, international als Musiker der traditionellen koreanischen Musik bekannt. Unter dem Einfluss seines Vaters begann er als Kind Janggo zu spielen und galt schon damals als ein Wunderkind. Im Jahre 1978 entwickelte er auf der Basis von Pungak (auch Pungmul genannt), der traditionellen Bauernmusik, eine neue Art von Musik, nämlich das Samulnori, das ausschließlich für Konzerte gedacht ist. Dieses Ereignis wurde ein Wendepunkt für die koreani-sche Musikgeschichte, und infolgedessen wurde Kim von der Tageszeitung The Chosun Ilbo als eine der “50 einflussreichsten Persönlichkeiten seit 1945” bezeichnet. Das Samulnori als Bühnenkunst, das erstmals im Jahr 1978 aufgeführt wurde, sollte weitreichende Folgen haben. Es brachte eine Renaissance des verlorenen traditionellen Rhythmusgefühls der Koreaner mit sich und führte zugleich zum Export koreanischer Musik sowie zu einem ausgewogenen Austausch mit internationaler Musik. Kims Schlagzeug-Ensemble Samulnori, das in Korea sensationelle Erfolge erzielte, trat überall in der Welt auf: bei internationalen Konferenzen von UN und ASEM, an der Klagemauer in Jerusalem, im New Yorker Central Park, im Münchner Zeughaus, im Sibuya-Bezirk von Tokio und vor der koreanischen Zaytun-Division im Irak. Die Aufführungen im Ausland verlaufen jedes Mal auf sehr koreanische Weise. “Ende Februar 2005 war auch keine Ausnahme. Damals, bei der Zaytun-Division, wurde ein traditionelles Ritual mit Opferspeisen, Kerzen und Verbeugungen abgehalten. Der Oberbefehlshaber der alliierten Truppen sowie die Kommandanten amerikanischer, japanischer und australischer Divisionen und die koreanische First-Lady verbeugten sich der Reihe nach und waren mit großem Ernst bei der Sache. Erst nach der Zeremonie spielten wir Samulnori”, sagt Kim.
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Fanklubs Samulnorianer
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Seine Aufführungen im Ausland sind oft folgenreiche Veranstaltungen. Sie führen zu Ausbildungskursen und diese wiederum zur Gründung von Samulnori-Gruppen im Ausland. Sie führten weltweit auch zur Bildung vieler Fanklubs, den so genannten Samulnorianern. Dieses Jahr veranstaltete seine Schlagzeuggruppe in Berlin vom 10. bis 17. April einen Samulnori-Workshop in Europa für die in Deutschland lebenden Koreaner. Kim wird mit seiner Gruppe auch während der Fußballweltmeisterschaft in Erscheinung treten. “Wichtig ist es, wie wir unsere Tradition präsentieren. Wir werden diesmal in Deutschland ein Korean Culture Village gründen und dort Aufführungen und Festivals veranstalten. Während der diesjährigen Fußballweltmeisterschaft werden wir wie bei der letzten WM die koreanische Mannschaft mit den Rhythmen von Samulnori unterstützen und diese auf unsere ganz koreanische Art anfeuern”, meint Kim. Das Zentrum für asiatische Kultur in den USA, die so genannte Asia Society, lädt eine Gruppe im Prinzip nur einmal ein, aber die Schlagzeuggruppe Samulnori ist bisher schon fünfmal aufgetreten. Die geschäftsführende Direktorin dieser Organisation, Beate Gordon, sagt: “Samulnori ist ein Ereignis. Der Rhythmus ist das Leben der Musik, aber das Tempo der Samulnori-Rhythmen ist mit dem Metronom kaum zu messen.” Kim Duk Soo nennt das Konzert bei der PASIC (Percussive Arts Society International Convention), das am 19. November 1982 in Dallas, USA, stattfand, die gelungenste Veranstaltung. An dem Treffen damals nahmen Gruppen aus 24 Ländern teil, und nach der Veranstaltung beurteilte der Vorstand des Perkussionsmusikerver-bandes Morris Lang die Gruppe Samulnori wie folgt: “Nachdem ich die Musik der vierköpfigen Samulnori-Gruppe gehört hatte, wurde mir bewusst, dass mein Interesse für koreanische Kultur plötzlich neu geweckt war und ich mehr darüber erfahren wollte. Die Klänge von Samulnori begeistern Zuhörer rund um die Welt schon nach wenigen Minuten.” Samulnori ist die repräsentativste Musik Koreas und hat im In- und Ausland großen Anklang gefunden. Die Medien schenken ihr viel Aufmerksamkeit, die Platten sind überwältigende Bestseller. Es ist erstaunlich, dass die Gruppe mit Samulnori nach ihrer Gründung im Jahr 1978 in verhältnismäßig kurzer Zeit einen solchen großen Erfolg erzielt hat. Während seiner nun fast 30-jährigen Geschichte sind die Rhythmen von Samulnori ein Teil unseres Alltags geworden. Es gibt fast keine Grundschule, in der keine Samulnori-Gruppe existiert. Zurzeit sind etwa 300 professionelle Ensembles tätig. Wenn man die Zahl der Amateurgruppen hinzuzählt, sind es über 2.000. Samulnori, ein Bestandteil der Weltmusik
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Seit seinem Bestehen scheute sich das Ensemble von Kim Duk Soo nicht die Begegnung mit anderen Genres wie Jazz, Konzert, Rock, Pop Orchester, Modernem Tanz und dem traditionellen koreanischen Orchester. Genreüberschreitendes Zusammenspiel gab Samulnori einen internationalen Charakter. Das Ensemble spielte mit vielen in- und ausländischen Musikern zusammen und die Zahl der Aufführungen im Ausland ist unzählbar. Die Platten werden im Ausland produziert und verkauft. Kim Duk Soo ist ein “offener” Musiker. Seine Offenheit gegenüber vielen Musikarten kreiert neue Klangwelten. Kim ist vielen verschiedenen andersartigen Musikformen und Menschen rund um die Welt begegnet und hat so viele Aufführungsformen und neue Werke geschaffen. Die musikalische Begegnung mit der Jazz-Gruppe Red Sun war von entscheidender Bedeutung. Red Sun ist eine internationale Gruppe, zu der Wolfgang Puschnig (Saxophon, Klarinette, Flöte), Rick Iannacone (elektrische Gitarre), Jamaaladeen Tacuma (Bassgitarre) und Linda Sharrok (Vokalistin) gehören. Unter dem Titel Samulnori Red Sun haben die beiden Gruppen gemeinsam internationale Konzerte organisiert und drei Musikplatten herausgegeben. Diese Versuche eröffneten einen neuen Horizont in diesem Bereich. “Ich werde meinem Publikum künftig nicht nur die Musik der vier Schlaginstrumente und Volksmusik, sondern auch koreanische traditionelle Theaterstücke wie Maskentanz, Marionettenspiel sowie umfassende Bühnenkunst vorstellen. Ich möchte mein Ensemble zu einer neuen Unterhaltungs-Gruppe unserer Zeit machen und der Welt die mitreißende Energie des koreanischen Volkes vorführen.” Kim Duk Soo plant derzeit ein neues Kulturpro-gramm, nämlich die traditionellen Theaterstücke auf die Bühne zu bringen. Der Meister des Janggo feiert nächstes Jahr das 50. Jubiläum seines Debüts. Er wird ein Buch über sein Leben als Künstler herausgeben und seine Werke aufführen. Außerdem plant er eine große Tournee durch Europa, die USA und Südamerika an Orten, wo er bereits aufgetreten ist. Die traditionellen Klänge Koreas, für die er eine so unerschöpfliche Begeisterung aufbringt, gehen heute mit ihm in die Welt hinaus.
 
 
 
     
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